Samstag, 20. Oktober 2012

# i said i'd never let you go and i never did

hey papa, ich schick dir hier diesen brief und ich hoffe das du ihn liest, da oben im paradies. ich hoffe es geht dir gut. ich hoffe du hast da oben alles was du brauchst und dein lächeln vergeht dir nicht. manchmal gehe ich mitten in der nacht nach draußen, fahre mit dem board durch die engen gassen und finde mich dann im park wieder. du weißt, dein lieblingspark. wegen den vielen rosen, die du so geliebt hast. stundenlang saßen wir manchmal auf der weißen bank und haben geredet, uns über die komischen leute lustig gemacht. eigentlich erinnert mich dort alles an dich. und das ist ziemlich hart für mich. dann dreh ich die gedanken leiser, die musik lauter und lasse mich dort auf eine bank fallen. "siehst du mich eigentlich?" flüster ich in die nacht, peinlich eigentlich. dann lege ich meinen kopf in den nacken, ziehe den reißverschluss meiner jacke höher und beobachte den sternenhimmel. warum sind mal sterne am himmel und mal nicht? wer regelt das? gott? engel? du? der wind schnürt mir die kehle zu, trocknet meinen hals aus und eigentlich sollte ich um die uhrzeit garnicht hier sein. aber verdammt, diese gedanken lassen mich nicht los. warum sterben manche menschen früher und manche später? ich mein, du warst der beste vater der welt, vielleicht wollte gott dich bei sich haben. so jemanden wie dich will man nicht teilen. wenn er dich braucht, okay, aber doch jetzt noch nicht! ich rede mir das ganze ziemlich schön, denke ich. naja, du fragst dich bestimmt, wie es mir geht. ich kenne die antwort nicht, es ist alles durcheinander, trotzdem irgendwie leer. egal um was es geht, ich suche die schuld bei mir. ich will garnicht wissen, wen ich schon alles verletzt habe, einfach weil ich so ein volltrottel bin. und es tut mir leid, bei jedem. jeder sagt, es wäre okay und er kann mich verstehen, aber das stimmt nicht. ich bin manchmal schrecklich zu anderen, einfach kalt und teilnahmslos. ich sage lieber garnichts, als das falsche. schmerz verändert menschen zu sehr, aber vielleicht auch ins positive. ich gehe durch die straßen und sehe nur müde gesichter mit tiefen augenringen, blasser haut und traurigem lächeln. wir alle wollten doch einfach viel zu früh erwachsen werden, oder? wir sind kaputtgeliebt, kaputtgelebt. totdepressiv, müde und einsam. ich will mein lächeln zurück, ich will jedes lächeln das keins mehr ist, zurück. regel da irgendwas, mach was, damit unsere generation wieder spaß am leben hat. ich weiß, du kannst das. ich liebe dich, papa.