Donnerstag, 13. Dezember 2012

# 19

gestern nacht bin ich das erste mal wieder richtig zur ruhe gekommen und konnte nachdenken, und da fiel mir etwas ein, was ich über jede aufregung total vergessen hatte; papa. papa, der gestorben ist, ohne überhaupt von danas damals noch nicht greifbarer existenz gewusst zu haben. papa, der sie niemals auf dem arm halten wird. papa, deren namen von seiner schwester sie bekommen hat. und das hat irgendwie furchtbar weh getan und ich hab mir mehr denn je gewünscht, ich könnte die zeit zurückdrehen und ihm davon erzählen. und ich hab mir gewünscht, er würde heute wie ein ganz normaler gast ins zimmer kommen und dana sehen wollen, aber natürlich kam er nicht. der schmerz ist irgendwie so weit weggerückt, dass es sich komisch beklemmend anfühlt, ihn wieder in der brust, im bauch, im hals, im kopf zu haben. dass er nicht mehr da ist und dass er niemals mehr hier sein wird. aber ich musste auch daran denken, dass ich irgendwann dahinscheiden werde und der gedanke, dass dana sich dann so fühlen könnte wie ich, war fast unerträglich. ich weiß jetzt, was papa gemeint hat, als er gesagt hat, dass er nicht wollen würde, dass jemand um ihn weint. wir wollen nicht, dass die menschen, die wir lieben, leiden, aber gerade weil sie uns lieben, werden sie hin und wieder leiden müssen. es gibt momente, in denen braucht man seinen vater. selbst vater zu werden ist so einer; und ich hätte ihn so gerne an meiner seite, hätte so gerne jemanden da, auf den ich mich verlassen kann. durch dana ist mir erst bewusst geworden, was ich verloren habe; einen menschen, für den ich immer das wichtigste war, für den ich immer an erster stelle gekommen bin, der mich immer bedingungslos und unwiderruflich geliebt hat, bis zur allerletzten sekunde.