Dienstag, 13. November 2012
# 12
schritt für schritt schlurfe ich durch die gänge meiner schule und drehe meinen ipod auf volle lautstärke. "setz dich einfach dahin" flötet unsere sekretärin sichlich gut gelaunt und deutet mit dem zeigefinger auf das triste wartezimmer. mehr gequält als ehrlich gemeint lächel ich zurück und lasse mich auf einen der hässlichen stühle fallen. 4 weitere leute aus meiner schule sitzen da vor und neben mir. alles assis, und ich dazwischen. super. oh scheiße, scheiße, scheiße. das ständig zugekiffte mädchen aus der achten klasse setzt sich direkt neben, fast auf mich und dreht ihren kopf in meine richtung. "heeey" haucht sie mir zu und sofort riecht alles in dem raum nach gras und rauch. ich nicke ihr kurz zu und durchsuche gerade meine gedanken nach ausreden abzuhauen, als die sekretärin wieder vor der glastür erscheint. "leon, du bist dran!" genervt stehe ich auf, werfe mir meinen rucksack über die schulter und bahne mir einen weg durch die schüler, die sich mittlerweile alle im wartezimmer versammelt haben. vor der tür mit dem goldenen "herr krengel" siegel atme ich noch einmal tief durch und drücke 'stop' auf meinem ipod. ich wünschte ich könnte in meinem leben jetzt auch einfach auf 'stop' drücken. gefühlte stunden in denen ich gegen die tür hämmere später, höre ich schon die tiefe stimme meines direktors, der ein "ist offen!" brüllt. vorsichtig drücke ich dir türklinke runter und öffne die tür, wo mein blick sofort auf den riesigen schreibtisch fällt, an dem er sitzt. seine augen sind erstaunlich freundlich und er hat sogar ein kleines lächeln im gesicht, während er mich zu sich winkt und auf einen stuhl deutet. ich lasse meinen rucksack zu boden sinken und setze mich hin, stecke meine hände in die hosentaschen und senke meinen blick. "also" beginnt er ernst, "die gesamte lehrerschaft und ich machen uns sorgen um dich. wir wissen nicht wo du wohnst, wie du dich ernährst. jeder lehrer berichtet mir das du immer müde, krank und lustlos, fast schon deprimiert wirkst. was ist los mit dir, leon?" ich tripple nervös mit den füßen auf den boden rum und schaue kurz auf. herr's krengel's blick ruht schwer auf mir und ich sehe mitleid in seinen augen. will ich nicht. "ich wohn in 'ner wohnung, die mein vater mir mal gekauft ha-" - "aber dein vater ist tot, leon. wie kommst du zurecht?" meine hände gleiten aus den hosentaschen und ich balle sie zu fäusten, atme tief durch. "ich komm zurecht. ich hab einen job, ich hab genug geld auf dem konto und alles andere ist okay wie es ist. ich komm klar." als ich das letzte wort ausspreche, steht er auf und wendet mir den rücken zu, sieht minutenlang nur aus dem fenster. dann räuspert er sich und kommt auf mich zu, legt eine hand auf meine schulter. "du bist erst 16, leon." die wut auf alles und jeden staunt sich in meinen bauch auf und ich schiebe meinen drehstuhl sauer nach hinten, springe auf, woraufhin seine hand wieder von meiner schulter fällt. "ich bin fast 15. ich kann das. und ich schaff das auch alles. keiner von ihnen kann mir helfen. ich komm ohne eltern klar. ohne diese hilfe. ich will nur das sie mich in ruhe lassen, verdammt!" ich schreie schon fast. "ich weiß das du für dein alter schon ziemlich erwachsen bist, aber ich und die lehrer fänden es besser wenn du vielleicht.." er atmet tief ein, tritt zwei schritte zurück. ".. ins heim gehst." fuck fuck fuck fuck. "niemals." presse ich zwischen den lippen hervor und greife nach meinem rucksack, renne aus dem zimmer. die schreie hinter mir werden bei jedem schritt leiser, bis ich plötzlich vor ihr stehe und wie angewurzelt stehen bleibe. "die wollen mich ins heim schicken" stottere ich total dämlich und sofort schlingst du deine arme um meinen hals. "ich bin immer für dich da. aber vielleicht wäre das doch garnicht so schlimm.." geschockt löse ich mich aus deiner umarmung und renne aus dem schulgebäude. cap runter, mittelfinger hoch.