Samstag, 14. Juli 2012
ich renne die treppe runter. überlege, ob ich alles habe. ich glaube schon. ein blick zur uhr. ich bin gut in der zeit. es ist 21 uhr. in paar stunden ist es stockdunkel. ich komme in die küche, möchte etwas trinken, bevor ich losgehe. ich stocke aber schon an der tür. joschka mit stella am kühlschrank gelehnt. ihr t-shirt liegt schon auf dem boden. ich kann genau zusehen, wie er ihre zunge in den hals steckt. okay, cool bleiben leon, sage ich mir und fülle mein glas mit wasser. versuche die beiden nicht zu beachten, was mir aber nicht gelingt. ''warum knallst du sie nicht gleich hier?'' ich kann es nicht lassen. ''du störst'', bekomme ich nur zur antwort. ''dann geht nach oben, oder schließt die tür ab.'' ich lasse die zwei wieder alleine, schließe die tür langsam hinter mir. ich möchte gerade zur tür rausgehen, da höre ich joschkas kleine schwester zoey hinter mir her rufen ''halt! warte leon! du wolltest mich doch mitnehmen!'' das ist ein nachteil, wenn man mit freunden und den geschwistern von ihnen zusammen wohnt. man hat nie seine ruhe. egal ob es morgens acht uhr ist, oder abends um elf. ich habe das zumindest nicht. ''wohin?'', frage ich sie, obwohl ich weiß, worauf sie hinaus will. ''du gehst doch jetzt auf hausparty, du hast gesagt, dass du mich mal mitnimmst.'' ach, habe ich das? erst jetzt drehe ich mich zu ihr um und sehe, dass sie sich total aufgestylt hat. von wimperntusche, lippenstift bis zum kurzen - sehr kurzem kleid trifft es glaube ich eher und absatzschuhen. ich gucke sie entsetzt an. sie hat wirklich gedacht, dass sie mit kommen kann. ''du willst so los?'' ''ja. ist doch schön'', sagt sie und dreht sich einmal um ihre eigene achse. jetzt erst sehe ich, dass sie eine kleine handtasche dabei hat. ich fange an zu grinsen. ''ich gefalle dir nicht.'', sagte zoey beleidigt. nein, wenn ich ehrlich bin nicht. sie könnte vielleicht so zum karneval gehen. aber ich will sie nicht beleidgen, deshalb sage ich ''du siehst toll aus, zoey. aber du kannst wirklich nicht mit. das ist noch nichts für dich.'' ''ich werde in zwei wochen 11! was ist denn daran bitte schlimm?'' sie wird schon zickig. ''es würde dir nicht gefallen. da wird geraucht, gesoffen und was weiß ich noch alles.'' sage ich schon abgewandt zu ihr. ''ich nehm dich mal mit, wenn du 13 bist.'' sage ich und hoffe, sie nervt nicht weiter. ''aber du säufst doch nicht.'' war das jetzt ein witz oder ernst gemeint? eigentlich wollte ich mir heute basti die kante geben, aber das erzähle ich ihr besser nicht. ''doch, tu ich. ich muss los. basti wartet.'' ich treffe mich gleich mit ihm und mit anderen kumpels zum vorglühen. ich gehe nach draußen. ''idiot!'', kommt es von ihr. ich sehe noch, wie sie in die küche verschwinden möchte. ''nein!'' schreie ich und laufe wieder rein und halte sie zurück. ''was? bist du bekloppt? ich will was essen!'' schreit sie auch. wenn ich es jetzt nicht eilig hätte, hätte sie schon lange für dieses 'bekloppt' was zurück bekommen. warum kann sie denn nicht in die küche? ich überlege, was ich antworten kann. ''das ist nicht jugendfrei!'', sage ich schließlich. ich wusste nicht, was ich noch sagen konnte. ''ach, du spinnst doch! lass mich los!'' ich halte immer noch ihre hand. lasse sie los. warum lasse ich mir das gleich noch gefallen? ''bis morgen'', sage ich nur und mache, dass ich rauskomme. ''du bist das letzte, leon! ein dummer, hirnloser wichser!'' wo sie recht hat, hat sie recht. sie knallt die haustür zu. ich wundere mich jedesmal, dass die scheibe nicht rausfällt. unsere haustür ist aus glas. als ich mich nocheinmal umdrehe, sehe ich dass die küchtentür doch auf ist. ich grinse. ich habe sie ja gewarnt. meine arme zoey. ich zünde mir eine zigarette an und kann mich jetzt voll auf und ganz auf die bevorstehende nacht konzentrieren.